
Wie tapezieren, wenn man als Anfänger keine Ahnung hat? Tapezieren ist Maßarbeit, kann aber von jedem erledigt werden. Das glauben Sie nicht? Mit dieser Anleitung kann jeder tapezieren, ein bisschen Sorgfalt und Geschick sollten Sie freilich mitbringen. Von der Berechnung der Rollenmenge bis zur fertigen Wand führen wir Sie Schritt für Schritt in die Wandgestaltung mit Tapeten ein.

Wie tapezieren wir also richtig? Das Problem fängt schon beim Ausmessen an: Wie und womit misst man eine Wand richtig aus?
Mit einem wackligen, alten Zollstock ist man hier schlecht beraten, besser ist da schon ein stabiles Metallmaßband, am besten nicht unter 5 m lang. So können auch längere Wände in einem Durchgang vermessen werden, Stückwerk bietet schon die ersten Fehlerquellen.
Dann geht die Rechnerei los:
Eine in Deutschland erhältliche Tapetenrolle ist, wie Gurken und Gullideckel, natürlich genormt. Die sogenannte "Eurorolle" ist 10,05 Meter lang und 0,53 Meter breit.
Als Faustformel für die Bestimmung der Tapetenmenge gilt im sogenannten Normraum (2,50 m Höhe): pro Rolle ohne Muster 4 Bahnen, mit Muster 3 Bahnen.
Bahnenanzahl = Raumumfang : Tapetenbreite (immer aufrunden!)
Bahnenlänge = Raumhöhe + Musterzuschlag (Rapport) + Verschnitt (ca. 10cm)
Bahnen pro Rolle = Rollenlänge : Bahnenlänge (immer abrunden!)
Wenn Sie nun wissen, wie viele Bahnen Sie benötigen und wie viele Bahnen sich aus einer Rolle ergeben, können Sie ganz leicht die Rollenanzahl bestimmen. In einem normalen Raum empfiehlt es sich zudem, Türen und Fenster einfach "mitzumessen" – so bleibt genug Verschnitt übrig.
Zum Tapezieren benötigt man folgendes Werkzeug:

Ein moderner Tapeziertisch ist eine praktische Sache: Meistens hat er eine Vorrichtung zum Einklemmen der Tapete sowie einen integrierten Maßstab zum Abmessen der Tapetenbahn. Meist ist auch eine Tapezierschiene integriert.
Doch auch auf Omas gutem Tapeziertisch lässt sich messen: Hier wird dann der Zollstock, oder besser noch, die Messlatte angelegt. Dann wird, entlang der Tapezierschiene, die Bahn in der gewünschten Länge abgeschnitten.
Dies wiederholen Sie für alle Tapeten der ersten Rolle.
Nun wird der Kleister aufgetragen: Mit der breiten Kleisterbürste tragen Sie nun den Klebstoff auf die Rückseite der Tapetenbahnen auf. Danach wird die Tapetenbahn zusammengelegt – jetzt klebt noch nichts, keine Sorge.
Der Tapetenkleister muss nun 10 bis 15 Minuten in die Tapete einziehen und diese einweichen. Je nach Produkt ist diese Weichzeit unterschiedlich, vorher also genau auf der Verpackung nachschauen oder beim Händler fragen.
Nach dem Weichen kann die erste Bahn in Angriff genommen werden. Am besten fangen Sie in der Zimmerecke rechts vom Fenster an, man tapeziert immer mit dem Lichteinfall. So fallen die Stöße und kleine Ungenauigkeiten nicht so auf.
Setzen Sie die Tapete mit etwa fünf Zentimetern Überstand zur Decke am Wand/Deckenübergang an und rücken Sie die Tapetenbahn an die Zimmerecke an. Wichtig ist eigentlich nur: Alles muss gerade sein. Mit dem Moosgummiroller drücken Sie die Tapete fest an.
Für den Deckenübergang drücken Sie mit dem Rücken der Tapezierschere die Tapete in den Winkel zwischen Wand und Decke, dann wird die Tapete wieder leicht abgezogen und entlang der Knicklinie gerade abgeschnitten.
Zum Schluss folgt der untere Teil der Tapete, der erst jetzt ausgeklappt, angedrückt und ggf. abgeschnitten wird.
Fertig ist Ihre erste Tapetenbahn!


Tapetenstöße sind das Gütemerkmal für Ihre Tapezierleistung: Nur wenn die Übergänge richtig sitzen, gerade sind und sich nicht verziehen, kann man von einer ordentlich und fachgerecht geklebten Tapete sprechen.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Tapetenbahnen aneinander geklebt werden können:
Die Tapetenstöße sollten anschließend mit dem kleinen Nahtroller fest angedrückt werden. Dieser darf allerdings nicht bei Prägetapeten verwendet werden: Mit plattgewalzter Prägung ist der optische Eindruck sicherlich dahin.

In Ecken oder Fensternischen, auch um Türen herum, ist das Tapezieren etwas kniffliger: In der Regel werden für Normfenster und Normzimmertür ca. anderthalb Bahnen Tapete benötigt – freilich nicht komplett, der Tür- und Fensterausschnitt bleibt frei.
Schneiden Sie die Tapete bei Fensterausschnitten so zurecht, dass sie noch fünf Zentimeter in die Laibung (den Fensterausschnitt) hineinragt. An den Ecken des Fensterausschnitts schneiden Sie dazu die Tapete ein (siehe Zeichnung). Anschließend, nach Einkleistern und Einweichen, wird alles wie gewohnt verklebt.
Den restlichen Teil der Laibung verkleben Sie dann auf Stoß mit einem passenden Stück Tapete, dass vorzugsweise in einem Stück (links, oben, rechts) die gesamte Laibung innen auskleidet – weniger Nähte, weniger Fehlerquellen! Achten Sie dabei besonders auf eine sorgfältige Verklebung vorne in den Ecken – hier ist keine Überlappung möglich.
Frisch angeklebte Tapeten sind empfindlich und reagieren nahezu unberechenbar auf Temperaturstürze, Veränderungen der Luftfeuchtigkeit und Zugluft. Das frisch verklebte, noch weiche Material kann sich vor der Austrocknung, je nach Art der Umwelteinwirkungen, ausdehnen oder zusammenziehen.
Insbesondere bei auf Stoß geklebten Tapeten kann dies sehr unschöne Folgen haben: Im Winter tapeziert, nach der Arbeit erfrischend gelüftet – schon hat man ungewollt 3 mm breite "Stoßfugen".
Vermeiden Sie daher unbedingt Zugluft und Temperaturänderungen nach den Tapezierarbeiten. Faustregel: 48 Stunden sollte der Raum klimatisch nicht verändert werden. Im Winter moderat auf etwa 20 °C heizen, im Sommer die Fenster geschlossen lassen. So bleibt alles so schön wie beim Ankleben!
Dies war Ihre Grundausbildung zum Tapezieren –
hier finden Sie alle Spezialinformationen zu Tapetenarten und zum Tapezieren:
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